vom 20. bis 22. Juni in der Jugendherberge Düsseldorf
Gluthitze empfing die mehr als 350 Teilnehmerinnen, die einem Turnier über sieben Runden an drei Tagen entgegenfieberten.
Unsere Equipe der St.-Cäcilia-Schule, in der Besetzung
hatte es dabei fast durchweg mit Gegnerinnen zu tun, die zwei oder sogar drei Jahre älter waren. Das ist nicht nur in Bewegungssportarten ein großes Handicap, sondern auch im Schach.
Überdies waren die anderen Mannschaften über eine Qualifikation als Meisterinnen ihrer Bundesländer zur Turnierteilnahme berechtigt, während wir als lokales Team von einer Einladung profitierten.
Wir traten also gegen die besten Schachspielerinnen im Grundschulalter der Republik an. Es galt daher, unsere sportlichen Ziele realistisch an die Gegebenheiten anzupassen. Ganz ehrlich: bloß nicht alle Partien verlieren und – wenn alles passt – vielleicht sogar den letzten Tabellenplatz vermeiden.
Der Mut der Mädchen ist bemerkenswert. Alle vier jungen Damen wollten sich die Chance auf die Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft auf keinen Fall entgehen lassen.
Das Turnier begann wie erwartet: Alle Mädchen verloren ihre Spiele in den Runden 1 und 2. Doch dann endete der Samstag mit einem Paukenschlag. Von den letzten vier Partien des Tages wurde eine gewonnen und eine weitere remis gehalten. Die Niederlagenserie war beendet.
Der Sonntag begann mit Runde 4 zunächst ernüchternd. Doch die beiden folgenden Mannschaftskämpfe (Runden 5 und 6) konnten wir jeweils unentschieden gestalten – mit schönen Einzelergebnissen unserer Spielerinnen.
Der Montag brachte die letzte Runde des Turniers und die Chance, den bis dahin gehaltenen letzten Platz zu verlassen. Nach einem 0:2-Rückstand konnten wir den Mannschaftskampf mit zwei Siegen zum 2:2 ausgleichen und blieben damit sogar drei Mannschaftskämpfe in Folge ungeschlagen. Der Lohn war der geteilte 26. und 27. Platz unter 28 Mannschaften. Nicht Letzter geworden!
Tja, warum waren wir glücklich über einen geteilten vorletzten Platz? Weil wir weit außerhalb unserer Komfortzone gespielt haben. Weil wir weitaus stärkeren und älteren Mannschaften die Stirn geboten haben. Mannschaften, deren Kinder zwei oder drei Jahre länger Schach spielen und diesen Sport mit großem Ehrgeiz auf einem sehr hohen Leistungsniveau betreiben. Und weil uns trotzdem drei Mannschaften nicht besiegen konnten. Vor allem aber, weil wir bei einer Deutschen Meisterschaft über uns hinausgewachsen sind.
Diese Meisterschaft war Mannschaftssport, und Einzelergebnisse sind dabei eigentlich nicht entscheidend. Dennoch freuen sich die Mannschaftskameradinnen sicher mit Antonie H., deren Leistung besonders hervorgehoben werden darf. Sie erzielte am ersten Brett – dort, wo in jeder Mannschaft die stärksten Spielerinnen antreten – sage und schreibe drei Siege. Sie besiegte drei Gegnerinnen, die in ihrem Alter Schach auf höchstem Niveau spielen. Sogar mit den schwarzen Figuren, obwohl sie dabei ihr geliebtes Londoner System nicht spielen konnte.
Lohn dieser Leistung war eine sympathisch gestaltete Siegerehrung, bei der alle Teilnehmerinnen eine Medaille erhielten und die Schule mit einer Urkunde ausgezeichnet wurde.
Von links nach rechts: Antonie H., Sai A. T., Lara M., Ivanna O.
Mit der „Medal Ceremony“ endete ein bemerkenswertes Schach-Wochenende.
Und noch sind nicht alle Heldentaten erzählt: Die Kinder erfreuten sich einer fantastischen Unterstützung und großen Anteilnahme ihrer Eltern, die die Mädchen über alle Runden hinweg begleitet haben. Mal musste getröstet werden, mal wurde gemeinsam die Freude über einen Erfolg genossen. Mütter und Väter waren ein Fels in der Brandung für ihre Kinder. So konnten die Mädchen unbeschwert Schach spielen – und haben das großartig gemeistert.
Achim Lotzwick
Leiter der Schach-AG